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Forschung im Klartext

Semax

Worum geht's

Semax ist ein synthetisches Heptapeptid (Met-Glu-His-Phe-Pro-Gly-Pro), ein stabilisiertes Analogon des Fragments ACTH(4-10) des adrenokortikotropen Hormons ohne hormonelle (kortikotrope) Aktivitaet. Es wird als nootropes und neuroprotektives Mittel untersucht, vorwiegend in Russland, zur Erholung nach ischaemischem Schlaganfall, zur kognitiven Leistungsfaehigkeit, bei Erkrankungen des Sehnervs und als Moeglichkeit, das BDNF/NGF im Gehirn zu erhoehen; es wird typischerweise intranasal verabreicht.

In Studien so eingesetzt

Modell
Mensch, Erwachsene in der akuten Phase eines hemisphaerischen ischaemischen Schlaganfalls (30 behandelt vs 80 Kontrollen unter konventioneller Therapie)
Untersucht bei
Akuter ischaemischer Schlaganfall (neurologische Erholung)
Dosis
Absolute dose only: 12 mg/day for moderate strokes, 18 mg/day for severe strokes. Body weight was NOT reported in the trial, so a verified mg/kg figure cannot be derived. As an illustration of magnitude only (not from the paper, weight not invented), 12 mg in a ~70-80 kg adult would be roughly 0.15-0.17 mg/kg/day, but the trial provided no weight to confirm this.
Dosierung
Einmal taeglich (einzelne taegliche Kursdosis)
Applikation
intranasal
Dauer
5 Tage (moderate Faelle); 10 Tage (schwere Faelle)

Gemessene Wirkung: Die Hinzunahme von Semax zur intensiven Standardtherapie erhoehte die Rueckbildungsrate allgemeiner zerebraler und fokaler, insbesondere motorischer Defizite gegenueber den Kontrollen. Veraenderungen wurden mit klinischen Bewertungsskalen, EEG-Mapping und somatosensorisch evozierten Potentialen erfasst. Dies war ein kleiner nicht randomisierter Vergleich, und das Abstract berichtet eine gerichtete Besserung statt Effektgroessen mit Konfidenzintervallen.

Nebenwirkungen: In dieser Studie wurden keine unerwuenschten Ereignisse berichtet

Quellen: Gusev EI, Skvortsova VI, Miasoedov NF, et al. Effectiveness of semax in acute period of hemispheric ischemic stroke (a clinical and electrophysiological study). Zh Nevrol Psikhiatr Im S S Korsakova. 1997;97(6):26-34.

Modell
Ratte (Hippocampus, in vivo)
Untersucht bei
Mechanismus der kognitiven/nootropen Wirkung (BDNF/trkB-Regulation)
Dosis
50 micrograms/kg body weight (0.05 mg/kg)
Dosierung
Einmalige Anwendung
Applikation
intranasal
Dauer
Einzeldosis (einige Stunden spaeter gemessen)

Gemessene Wirkung: Eine einzelne intranasale Dosis erzeugte etwa eine 1,4-fache Zunahme des BDNF-Proteins, eine 1,6-fache Zunahme der trkB-Tyrosin-Phosphorylierung, eine etwa 3-fache Zunahme der Exon-III-BDNF-mRNA und eine etwa 2-fache Zunahme der trkB-mRNA im Hippocampus. Im Verhalten zeigten behandelte Ratten eine deutliche Zunahme der Anzahl konditionierter Vermeidungsreaktionen.

Nebenwirkungen: In dieser Studie wurden keine unerwuenschten Ereignisse berichtet

Quellen: Dolotov OV, Karpenko EA, Inozemtseva LS, et al. Semax, an analog of ACTH(4-10) with cognitive effects, regulates BDNF and trkB expression in the rat hippocampus. Brain Res. 2006;1117(1):54-60.

Modell
Ratte (maennliche Wistar, basales Vorderhirn, in vivo plus Zellmembranbindung)
Untersucht bei
Mechanismus der neurotrophen Wirkung (BDNF-Induktion und spezifische Bindung)
Dosis
50 and 250 micrograms/kg body weight (0.05 and 0.25 mg/kg)
Dosierung
Einmalige Anwendung
Applikation
intranasal
Dauer
Einzeldosis, BDNF 3 Stunden spaeter gemessen

Gemessene Wirkung: Sowohl 50 als auch 250 microg/kg erzeugten nach 3 Stunden einen raschen Anstieg des BDNF-Proteins im basalen Vorderhirn, jedoch nicht im Kleinhirn, was auf eine Regionsspezifitaet hinweist. Semax band spezifisch an Hirnzellmembranen mit einer Dissoziationskonstante (Kd) von etwa 2,4 nM und stimulierte die BDNF-Synthese in Astrozyten, was seine kognitiven Effekte mit erhoehtem BDNF im basalen Vorderhirn verknuepft.

Nebenwirkungen: In dieser Studie wurden keine unerwuenschten Ereignisse berichtet

Quellen: Dolotov OV, Karpenko EA, Seredenina TS, et al. Semax, an analogue of adrenocorticotropin (4-10), binds specifically and increases levels of brain-derived neurotrophic factor protein in rat basal forebrain. J Neurochem. 2006;97(Suppl 1):82-86.

Modell
Ratte (fokale photoinduzierte Ischaemie des praefrontalen Kortex)
Untersucht bei
Ischaemische Hirnschaedigung (Neuroprotektion und Gedaechtnis)
Dosis
250 micrograms/kg/day (0.25 mg/kg/day)
Dosierung
Einmal taeglich
Applikation
intranasal
Dauer
6 Tage (beginnend nach der Photothrombose)

Gemessene Wirkung: Semax erzeugte einen ausgepraegten neuroprotektiven und antiamnestischen Effekt: Es verringerte das Volumen des kortikalen Infarkts und verbesserte sowohl die Retention als auch die Ausfuehrung einer konditionierten passiven Vermeidungsreaktion gegenueber unbehandelten ischaemischen Ratten. Das Abstract berichtet die Wirkungsrichtung statt exakter prozentualer Reduktionen.

Nebenwirkungen: In dieser Studie wurden keine unerwuenschten Ereignisse berichtet

Quellen: Romanova GA, Silachev DN, Shakova FM, et al. Neuroprotective and antiamnesic effects of Semax during experimental ischemic infarction of the cerebral cortex. Bull Exp Biol Med. 2006;142(6):663-666.

Modell
Ratte (maennliche Sprague-Dawley, Modell des chronischen unvorhersehbaren Stresses)
Untersucht bei
Depression / Stress (antidepressivumartige und antistress Wirkungen)
Dosis
60 nmol/kg body weight (about 0.045 mg/kg, using Semax molar mass ~813 g/mol)
Dosierung
Taegliche Injektionen
Applikation
intraperitoneal
Dauer
Chronische Dosierung ueber das gesamte Protokoll des chronischen unvorhersehbaren Stresses

Gemessene Wirkung: Semax kehrte die stressinduzierte Anhedonie, die Unterdrueckung der Koerpergewichtszunahme, die Nebennierenhypertrophie und den stressinduzierten Abfall des hippocampalen BDNF um oder schwaechte sie deutlich ab. Es hatte keinen signifikanten Effekt im Forced-Swim-Test, sodass das antidepressivumartige Signal spezifisch fuer Anhedonie- und BDNF-Messungen war und nicht fuer alle Verhaltensauslesungen.

Nebenwirkungen: In dieser Studie wurden keine unerwuenschten Ereignisse berichtet

Quellen: Inozemtseva LS, Yatsenko KA, Glazova NYu, et al. Antidepressant-like and antistress effects of the ACTH(4-10) synthetic analogs Semax and Melanotan II on male rats in a model of chronic unpredictable stress. Eur J Pharmacol. 2024;983:176999.

Modell
Zellkultur (in vitro), primaere Neurone und Glia des basalen Vorderhirns der Ratte
Untersucht bei
Ueberleben und Funktion cholinerger Neurone (Mechanismus)
Dosis
100 nM (choline acetyltransferase effect); concentration range 1 nM to 10 microM tested
Dosierung
Dem Kulturmedium zugesetzt
Applikation
in vitro
Dauer
Expositionsdauer in der Kultur

Gemessene Wirkung: Semax erhoehte das Ueberleben cholinerger Neurone des basalen Vorderhirns etwa 1,5- bis 1,7-fach gegenueber der Kontrolle. Bei 100 nM stimulierte es die Aktivitaet der Cholin-Acetyltransferase in dissoziierten Kulturen des basalen Vorderhirns. Ueber den Bereich von 1 nM bis 10 microM beeinflusste es weder GABAerge Neurone noch die Proliferation von Gliazellen, was auf einen selektiven Effekt auf cholinerge Neurone hinweist.

Nebenwirkungen: In dieser Studie wurden keine unerwuenschten Ereignisse berichtet

Quellen: Grivennikov IA, Dolotov OV, Zolotarev YA, et al. Effects of behaviorally active ACTH (4-10) analogue - Semax on rat basal forebrain cholinergic neurons. Restor Neurol Neurosci. 2008;26(1):35-43.

Wie belastbar

Die Evidenz ist real und in PubMed indexiert, aber uneinheitlich. Die Humandaten sind der schwaechste Teil: Die zentrale Schlaganfallstudie (PMID 11517472, Gusev/Skvortsova 1997) ist ein kleiner (30 vs 80) nicht randomisierter Vergleich einer einzigen russischen Gruppe, fast 30 Jahre alt, mit Richtungsergebnissen statt Effektgroessen und ohne berichtetes Koerpergewicht, sodass ihre mg/kg-Dosis nicht verifiziert werden kann (die angezeigte Pro-kg-Angabe ist nur eine veranschaulichende Groessenordnung, nicht aus der Arbeit, und es wurde kein Gewicht erfunden). Die meisten anderen russischen Humanarbeiten (Sehnerv/Glaukom, z. B. PMID 11569188) verwenden eine topische oder Elektrophorese-Anwendung von Semax 0,1-1 % statt einer systemischen Pro-Kilogramm-Dosis, sodass sie nicht in einen sauberen mg/kg-Rahmen passen und nicht als Anwendungszeile aufgenommen wurden. Die staerkste, am besten quantifizierte Evidenz ist praeklinisch: Intranasale Rattenstudien bei 50-250 microg/kg (PMIDs 16996037, 16635254, 17603664) zeigen konsistent BDNF/trkB-Induktion, Regionsspezifitaet und reduziertes Infarktvolumen, und diese stammen groesstenteils von ueberlappenden Moskauer Forschungsgruppen (Dolotov, Romanova, Myasoedov), was die unabhaengige Replikation begrenzt. Die Studie zu chronischem Stress von 2024 (PMID 39442746) ist neu und methodisch sauberer, aber es ist zu beachten, dass sie ein NEGATIVES Ergebnis im Forced-Swim-Test berichtet, sodass der antidepressivumartige Effekt partiell und auf Anhedonie-/BDNF-Endpunkte beschraenkt ist. Die In-vitro-Daten (PMID 18431004) sind rein mechanistisch (molare Konzentrationen, keine In-vivo-Uebertragung). Insgesamt: plausibler neurotropher/neuroprotektiver Mechanismus mit konsistenter tierexperimenteller Unterstuetzung, aber die Wirksamkeit beim Menschen beruht auf kleinen, alten, auf eine einzige Region beschraenkten, nicht randomisierten Studien, und es besteht eine starke Abhaengigkeit von einem kleinen Cluster verbundener Forscher. In dieser Recherche wurde keine grosse unabhaengige randomisierte placebokontrollierte Studie gefunden.

Quellen

Studiendaten, nur Forschung, kein etabliertes Humanprotokoll.