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Forschung im Klartext

DSIP

Worum geht's

DSIP (Delta-Sleep-Inducing-Peptide) ist ein Nonapeptid, das 1977 erstmals aus dem Blut schlafender Kaninchen isoliert wurde, woher sein Name stammt. Trotz dieses Namens wurden weder ein DSIP-Gen noch ein bestätigter Rezeptor gefunden, der Mechanismus bleibt ungeklärt (Übersichtsarbeit PMID 16539679). Untersucht wird es als neuromodulatorisches Peptid in drei Bereichen: Schlafregulation, Stressachse (es scheint die HPA-Achse zu dämpfen und ACTH und Cortisol zu senken) und antioxidative/geroprotektive Effekte. Nur für In-vitro- und Laborforschung, nicht zur Anwendung beim Menschen oder Tier; keine therapeutische Wirksamkeit behauptet.

In Studien so eingesetzt

Modell
Mensch, sechs Erwachsene mit chronischer Schlaflosigkeit (gestörter Schlaf)
Untersucht bei
Gestörter Schlaf / Insomnie: ob eine einzelne intravenöse Dosis DSIP objektive und subjektive Schlafparameter verbessert
Dosis
25 nmol/kg (etwa 21 mcg/kg). In der Arbeit pro Kilogramm angegeben, sodass keine Umrechnung über das Körpergewicht nötig war
Dosierung
Einzelne intravenöse Dosis vor dem Schlaf verabreicht
Applikation
Intravenöse Injektion
Dauer
Akut, eine Nacht, mit Verfolgung des Effekts über bis zu 6 Stunden

Gemessene Wirkung: Der Schlaf war länger, von besserer subjektiver Qualität und mit weniger Unterbrechungen, mit etwas mehr REM-Schlaf gegenüber dem Ausgangswert

Nebenwirkungen: In dieser Studie wurden keine unerwünschten Ereignisse berichtet; es gab keine Tagesmüdigkeit, nur einen leicht erregenden Effekt während der ersten Stunde

Quellen: Schneider-Helmert & Schoenenberger, 1981

Modell
Ratte, Modell für emotionalen Stress und HPA-Achsen-Aktivierung
Untersucht bei
Emotionaler Stress und HPA-Achse: ob DSIP, vor einem Stressor gegeben, die hypothalamische Substanz P und die Nebennieren-/Thymus-Stressreaktion verändert
Dosis
60 und 120 nmol/kg (zwei getestete Dosisstufen). In der Arbeit pro Kilogramm angegeben, sodass keine Umrechnung über das Körpergewicht nötig war
Dosierung
Einzeldosis vor dem Stressor verabreicht
Applikation
Intraperitoneale Injektion
Dauer
Einzeldosis vor dem Stress

Gemessene Wirkung: DSIP erhöhte die hypothalamische Substanz P und steigerte die Stressresistenz; die niedrigere Dosis von 60 nmol/kg verringerte die stressinduzierte Nebennierenhypertrophie und Thymusinvolution, mit dem stärksten Effekt bei der niedrigeren Dosis

Nebenwirkungen: In dieser Studie wurden keine unerwünschten Ereignisse berichtet; der Effekt war bei der niedrigeren der beiden Dosen am stärksten

Quellen: Salieva et al., 1992

Modell
Ratte, Modell für kälteinduzierten oxidativen Stress
Untersucht bei
Oxidativer Stress: ob eine DSIP-Vorbehandlung die Aktivität körpereigener antioxidativer Enzyme unter Kältestress verändert
Dosis
12 mcg pro 100 g Körpergewicht. In der Arbeit pro 100 g Körpergewicht angegeben, sodass keine weitere Umrechnung über das Körpergewicht vorgenommen wurde
Dosierung
Einzelne Vorbehandlungsdosis
Applikation
Intraperitoneale Injektion
Dauer
Akute Vorbehandlung

Gemessene Wirkung: DSIP erhöhte die Aktivität von Superoxiddismutase, Katalase und Glutathionperoxidase/Glutathionreduktase und steigerte das reduzierte Glutathion

Nebenwirkungen: In dieser Studie wurden keine unerwünschten Ereignisse berichtet

Quellen: Shustanova et al., 2001

Modell
Ratte im Alter von 2 bis 24 Monaten, Alterungs-/Geroprotektionsmodell
Untersucht bei
Geroprotektion und Alterung: ob intermittierendes DSIP über die Lebensspanne Marker für oxidative Schädigung und antioxidative Abwehr beeinflusst
Dosis
10 mcg pro 100 g Körpergewicht. In der Arbeit pro 100 g Körpergewicht angegeben, sodass keine weitere Umrechnung über das Körpergewicht vorgenommen wurde
Dosierung
Fünf aufeinanderfolgende Tage pro Monat
Applikation
Subkutane Injektion
Dauer
Wiederholte Monatszyklen über die Altersspanne von 2 bis 24 Monaten

Gemessene Wirkung: DSIP hemmte die Lipidperoxidation und erhöhte Superoxiddismutase, Katalase und Caeruloplasmin

Nebenwirkungen: In dieser Studie wurden keine unerwünschten Ereignisse berichtet

Quellen: Bondarenko et al., 2011

Modell
Hund, Affe und Ratte, pharmakokinetische Studie
Untersucht bei
Pharmakokinetik: wie schnell DSIP nach intravenöser Gabe über drei Spezies aus dem Plasma entfernt wird
Dosis
1 bis 2 mg intravenös (Absolutdosis wie veröffentlicht, nicht pro Kilogramm)
Dosierung
Einzelne intravenöse Dosis
Applikation
Intravenöse Injektion
Dauer
Akute pharmakokinetische Probenentnahme

Gemessene Wirkung: Die Plasmahalbwertszeit war sehr kurz: 4,0 Minuten beim Hund, 2,9 Minuten beim Affen und 2,0 Minuten bei der Ratte, bei einer Clearance von 30,7 ml/kg/min

Nebenwirkungen: In dieser Studie wurden keine unerwünschten Ereignisse berichtet

Quellen: Kato et al., 1984

Wie belastbar

Ehrliche Einschätzung: Die Evidenzbasis für DSIP ist klein, alt und mechanistisch ungeklärt. Die Humandaten beschränken sich auf frühe, kleine Studien (die Schlafarbeit wurde an nur sechs chronischen Insomniakern durchgeführt und maß akute Effekte über eine einzige Nacht), der Rest ist Nager- und Mehrspezies-Tierforschung aus den 1980er Jahren bis Anfang der 2010er Jahre. Am wichtigsten: Nach fast fünfzig Jahren wurden weder ein DSIP-Gen noch ein einzelner bestätigter DSIP-Rezeptor identifiziert, und die grundlegende Hypothese von DSIP als zirkulierendem Schlaffaktor ist in der Literatur nur schwach belegt (Übersichtsarbeit PMID 16539679). Die funktionellen Signale, die existieren, sind real und gemessen: eine schnelle Clearance mit intravenösen Halbwertszeiten von 2 bis 4 Minuten über drei Spezies, eine Dämpfung der HPA-Stressreaktion mit erhöhter hypothalamischer Substanz P bei Ratten und eine Aktivierung antioxidativer Enzyme bei Nagern. Doch dies sind kurzfristige, überwiegend präklinische Befunde, keine klinische Wirksamkeit. Die Dosen werden je Spezies wie veröffentlicht angegeben (Mensch als nmol/kg, Ratte als nmol/kg oder mcg pro 100 g, die Spezies-übergreifende PK-Studie als absolute 1 bis 2 mg intravenös), ohne Umrechnung vom Tier auf den Menschen. Auf regulatorischer Seite stand DSIP (als Emideltide) auf der FDA-503A-Kategorie-2-Liste (erhebliche Sicherheitsbedenken); das aktualisierte 503A-Dokument vom 15. April 2026 entfernte Emideltide/DSIP mit Wirkung zum 22. April 2026 aus Kategorie 2, doch die Entfernung aus Kategorie 2 ist für sich genommen keine Compounding-Freigabe, und eine PCAC-Prüfung ist für den 24. Juli 2026 angesetzt. Fazit: Ein echtes, aber dünnes und alterndes Forschungssignal rund um Schlaf, Stress und antioxidative Biologie, mit weiterhin offenem Kernmechanismus und ohne Grundlage für irgendeine Gesundheitsaussage.

Quellen

Studiendaten, nur Forschung, kein etabliertes Humanprotokoll.