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Forschung im Klartext

GHK-Cu

Worum geht's

GHK-Cu ist der Kupfer(II)-Komplex des Tripeptids Glycyl-L-Histidyl-L-Lysin, ein kleines Peptid, das natuerlicherweise im menschlichen Plasma, Speichel und Urin vorkommt und mit dem Alter abnimmt. Es wurde groesstenteils in Zellkultur und an Tieren als Signal untersucht, das die Kollagen- und Wachstumsfaktor-Produktion durch Fibroblasten anregen, die Wundheilung und Angiogenese unterstuetzen sowie Marker fuer oxidativen Stress und Entzuendung senken kann.

In Studien so eingesetzt

Modell
In vitro, kultivierte menschliche Hautfibroblasten (Zellkultur, kein Koerpergewicht anwendbar)
Untersucht bei
Kollagensynthese / Hautmatrix
Dosis
Molar, not per-kg (in vitro): stimulation began at 10^-12 to 10^-11 M and was maximal at 10^-9 M (1 nM) GHK-Cu in the culture medium
Dosierung
Einzelne Konzentration, dem Kulturmedium ueber einen Dosisbereich zugesetzt
Applikation
In-vitro-Zugabe zum Zellkulturmedium (kein systemischer Verabreichungsweg)
Dauer
Im Abstract nicht angegeben

Gemessene Wirkung: Dosisabhaengiger Anstieg der Kollagensynthese durch die Fibroblasten; der Effekt war unabhaengig von jeder Veraenderung der Zellzahl (er spiegelte also mehr biosynthetische Aktivitaet pro Zelle wider, nicht mehr Zellen). Das Abstract nennt keinen genauen Prozentsatz oder fachen Anstieg fuer das Ausmass.

Nebenwirkungen: Keine unerwuenschten Ereignisse in dieser Studie berichtet (in vitro)

Quellen: Maquart FX et al., FEBS Lett 1988

Modell
In vitro, primaere menschliche dermale Fibroblasten von zuvor bestrahlten Patienten vs normale Fibroblasten (Zellkultur, kein Koerpergewicht anwendbar)
Untersucht bei
Fibroblasten-Erholung nach Bestrahlung / Wachstumsfaktor-Expression
Dosis
Molar, not per-kg (in vitro): 1 x 10^-9 mol/L (1 nM) GHK-Cu in serum- and growth-factor-free medium
Dosierung
Einzelne Konzentration von 1 nM im Kulturmedium
Applikation
In-vitro-Zugabe zum Zellkulturmedium (kein systemischer Verabreichungsweg)
Dauer
Im Abstract nicht angegeben

Gemessene Wirkung: Behandelte bestrahlte Fibroblasten hatten schnellere Verdopplungszeiten der Population als unbehandelte bestrahlte Kontrollen und entsprachen ungefaehr der Wachstumsrate unbehandelter normaler Fibroblasten. Frueh nach der Exposition produzierten behandelte bestrahlte Zellen signifikant mehr basischen FGF (bFGF) und VEGF als unbehandelte Kontrollen.

Nebenwirkungen: Keine unerwuenschten Ereignisse in dieser Studie berichtet (in vitro)

Quellen: Pollard JD et al., Arch Facial Plast Surg 2005

Modell
Ex vivo menschliche Haut von Leichen (Stratum corneum, Epidermis, dermatomierte Haut) in Durchfluss-Diffusionszellen (kein Koerpergewicht anwendbar)
Untersucht bei
Topische Hautpenetration und Retention von Kupfer aus GHK-Cu (Frage der entzuendungshemmenden Verabreichung)
Dosis
Topical percentage, not per-kg (ex vivo): 0.68% aqueous copper as the tripeptide (glycyl-L-histidyl-L-lysine cuprate diacetate) applied to 1 cm^2 of isolated skin
Dosierung
Einmalige topische Anwendung auf die Hautoberflaeche
Applikation
Topisch (in-vitro transdermale Diffusionszelle)
Dauer
48 Stunden

Gemessene Wirkung: Der Permeabilitaetskoeffizient durch dermatomierte Haut betrug 2,43 +/- 0,51 x 10^-4 cm/h; 136,2 +/- 17,5 ug/cm^2 Kupfer permeierten ueber 48 h durch 1 cm^2, und 82 +/- 8,1 ug/cm^2 Kupfer wurden im Gewebe als Depot zurueckgehalten. Zeigt, dass Kupfer aus GHK-Cu sowohl in die Haut eindringt als auch sich darin anreichert.

Nebenwirkungen: Keine unerwuenschten Ereignisse in dieser Studie berichtet (ex vivo menschliche Haut)

Quellen: Hostynek JJ et al., Inflamm Res 2010

Modell
Maus (C57BL/6J) mit durch Zigarettenrauch induziertem Emphysem, plus menschliche A549-Alveolarzellen in vitro
Untersucht bei
Durch Zigarettenrauch induziertes Lungenemphysem und Lungenentzuendung / oxidativer Stress
Dosis
0.2, 2 and 20 ug/g/day, i.e. 0.2, 2 and 20 mg/kg/day (ug/g equals mg/kg directly); highest dose 20 mg/kg
Dosierung
Intraperitoneale Injektion jeden zweiten Tag, begonnen nach Beginn der Rauchexposition
Applikation
Intraperitoneal (Maus); Zellkulturzugabe fuer den A549-Arm
Dauer
12 Wochen Zigarettenrauchexposition

Gemessene Wirkung: GHK-Cu verringerte emphysematoese Veraenderungen und stellte das MMP-9/TIMP-1-Gleichgewicht wieder her, senkte die Entzuendungszytokine IL-1beta und TNF-alpha, senkte die oxidativen Marker MPO und MDA und erhoehte die antioxidativen Werte (T-AOC und GSH). Es unterdrueckte NF-kB und steigerte die Nrf2-antioxidative Signalgebung. In A549-Zellen, die Zigarettenrauchextrakt ausgesetzt waren, verringerte GHK-Cu den oxidativen Stress ueber eine Hochregulation von Nrf2. Die Ausmasse pro Dosis sind im Abstract nicht alle angegeben.

Nebenwirkungen: Keine unerwuenschten Ereignisse in dieser Studie berichtet

Quellen: Zhang Q et al., Front Mol Biosci 2022

Modell
Maus mit Verbruehungswunden (thermisch), plus menschliche Endothelzellen der Nabelschnurvene (HUVEC) in vitro
Untersucht bei
Heilung von Verbruehungswunden / Angiogenese (liposomale GHK-Cu-Formulierung)
Dosis
Not reported as mg/kg or molar in the abstract; GHK-Cu was delivered as nanoscale liposomes (GHK-Cu-liposomes), but no body-weight dose or culture concentration is stated
Dosierung
Topische Anwendung der liposomalen Formulierung auf die Wunden (Haeufigkeit im Abstract nicht angegeben)
Applikation
Topisch (Mauswunden); Zellkulturzugabe fuer den HUVEC-Arm
Dauer
Wunden bis zur Heilung verfolgt; Heilung bei behandelten Tieren bis 14 Tage nach der Verletzung abgeschlossen

Gemessene Wirkung: GHK-Cu-Liposomen steigerten die HUVEC-Proliferation um etwa 33,1 % und erhoehten die Expression von VEGF, FGF-2, CDK4 und CyclinD1. Im Maus-Verbruehungsmodell erzeugte die liposomale Form mehr Angiogenese als freies GHK-Cu, mit hoeherer CD31- und Ki67-Immunfluoreszenz, und die Wunden heilten bis Tag 14. Im Abstract sind keine Verschlussprozentsaetze von Kontrolle vs behandelt angegeben.

Nebenwirkungen: Keine unerwuenschten Ereignisse in dieser Studie berichtet

Quellen: Wang X et al., Wound Repair Regen 2017

Modell
Ratte (Sprague-Dawley), Rueckenhaut bestrahlt, dann chirurgischer Lappen (Modell der bestrahlten Wunde)
Untersucht bei
Wundheilung in bestrahlten Hautlappen (Lappenischaemie, Anzahl der Blutgefaesse, VEGF)
Dosis
Topical, not per-kg: GHK-Cu gel applied to the flap wound (gel concentration not stated as a per-kg dose); control group received aquaphilic ointment
Dosierung
Topische Anwendung zweimal taeglich
Applikation
Topisch (Gel)
Dauer
10 Tage Behandlung (nach Bestrahlung und einer 28-taegigen Erholung vor der Lappenanlage)

Gemessene Wirkung: Negatives Ergebnis. Die GHK-Cu-Gruppe (n=13) hatte eine signifikant GROESSERE mittlere ischaemische Flaeche als die Kontrollen (n=10): 5,0 cm^2 vs 3,8 cm^2 (P=0.011), also schlechter bei diesem Mass. Kein signifikanter Unterschied bei der Anzahl der Blutgefaesse (209,0 vs 207,4, P=0.973), der luminalen Gefaessflaeche (525,7 vs 422,8 um^2, P=0.118) oder dem VEGF-Intensitaetsscore (0,34 vs 0,54, P=0.169). Die Autoren folgerten, dass topisches GHK-Cu in diesem Modell keinen Nutzen fuer Lappenischaemie, Gefaesse oder VEGF zeigte.

Nebenwirkungen: Keine spezifischen unerwuenschten Ereignisse berichtet ueber die in der behandelten Gruppe beobachtete groessere ischaemische Flaeche hinaus

Quellen: Parker NP et al., Otolaryngol Head Neck Surg 2013

Wie belastbar

Die Evidenzbasis fuer GHK-Cu ist ueberwiegend praeklinisch: Zellkulturarbeiten (in vitro), ex vivo an menschlicher Leichenhaut und Nagetierstudien. Es gibt hier keine kontrollierten Dosierungsstudien am Menschen, und es existiert kein etabliertes Dosierungsprotokoll fuer den Menschen. Da die staerksten mechanistischen Daten in vitro stammen, werden die wirksamen Konzentrationen molar angegeben (um 1 nM, 10^-9 M) und sind NICHT in eine Dosis pro kg beim Menschen umrechenbar; eine nanomolare in-vitro-Konzentration als koerpergewichtsbezogene Dosis zu behandeln waere falsch. Die einzigen sauberen Werte pro kg stammen aus einer Maus-Emphysem-Studie (Zhang 2022: 0,2 / 2 / 20 mg/kg/Tag intraperitoneal, da ug/g gleich mg/kg ist), die eine nicht hautbezogene Indikation und einen Verabreichungsweg betrifft, den niemand kosmetisch verwendet. Haut- und Wundstudien verwendeten topische Konzentrationen (z. B. 0,68 % Kupfer ex vivo) statt systemischer Dosen, und eine liposomale Wundstudie (Wang 2017) berichtete ueberhaupt keine quantifizierte Dosis. Wichtig ist, dass die Evidenz nicht durchweg positiv ist: eine Ratten-Studie mit bestrahltem Lappen (Parker 2013) ergab, dass topisches GHK-Cu keinen Nutzen brachte und eine signifikant groessere ischaemische Flaeche als die Kontrolle aufwies (5,0 vs 3,8 cm^2, P=0.011), sodass Aussagen zur Wundheilung ueber verschiedene Modelle hinweg nicht konsistent sind. Zwei der meistzitierten Uebersichtsarbeiten (Pickart 2015, Pickart 2018) sind narrative Reviews, mitverfasst von Loren Pickart, der kommerzielle/patentrechtliche Interessen an GHK-Cu-Hautpflege haelt, was einen klaren Interessenkonflikt darstellt und bedeutet, dass ihre weitreichenden Aussagen zur Genregulation eher vorsichtig als als gesicherte Tatsache gelesen werden sollten. Fazit: GHK-Cu hat plausible, wiederholt beobachtete in-vitro- und tierexperimentelle Wirkungen auf Kollagen, Wachstumsfaktoren, Angiogenese und Marker fuer oxidativen Stress, aber Wirksamkeit, Sicherheit und Dosierung beim Menschen sind fuer keine Indikation gesichert, und mindestens eine tierexperimentelle Wundstudie war negativ.

Quellen

Studiendaten, nur Forschung, kein etabliertes Humanprotokoll.