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Forschung im Klartext

IGF-1 LR3

Worum geht's

IGF-1 LR3 (Long R3 IGF-I) ist ein synthetisches Analogon des insulinaehnlichen Wachstumsfaktors 1 aus 83 Aminosaeuren mit einer Arg-Substitution an Position 3 und einer N-terminalen Verlaengerung um 13 Reste. Durch diese Aenderungen bindet es deutlich schwaecher an die IGF-Bindungsproteine, sodass es im Blutkreislauf wesentlich laenger frei und aktiv bleibt als natives IGF-1. Deshalb wird es als Forschungsreagenz eingesetzt, um die Signaluebertragung am IGF-1-Rezeptor, die Zellproliferation und das Gewebewachstum in Zellkulturen und Tiermodellen anzutreiben. Es gibt im Grunde keine veroeffentlichten Wirksamkeitsstudien am Menschen fuer das LR3-Analogon selbst; die vorhandenen Humandaten beziehen sich auf natives rekombinantes IGF-1 (Mecasermin), nicht auf LR3.

In Studien so eingesetzt

Modell
Schwein (Mastschweine)
Untersucht bei
Wirkung auf Wachstum, Wachstumshormon und die IGF-Achse
Dosis
0.18 mg/kg/day (180 micrograms/kg/day, published per-kg)
Dosierung
Kontinuierliche Infusion, taeglich
Applikation
intravenoes
Dauer
4 Tage

Gemessene Wirkung: LR3 IGF-I allein VERRINGERTE die durchschnittliche taegliche Gewichtszunahme und die Futteraufnahme, anstatt sie zu erhoehen. Das mittlere Plasma-Wachstumshormon fiel um etwa 23% und die Flaeche unter den GH-Spitzen um etwa 60%. Auch das endogene Plasma-IGF-I und IGFBP-3 wurden unterdrueckt. Die Kombination von LR3 IGF-I mit porcinem GH rettete das Wachstum nicht; Insulin, IGFBP-3 und IGF-I blieben unterdrueckt. Die Autoren schlossen, dass das IGF-Peptid die GH-Sekretion unterdrueckte, was sekundaer die IGF-Achse senkte und in diesem Modell zur Wachstumshemmung beitrug.

Nebenwirkungen: In dieser Studie wurden keine unerwuenschten Ereignisse berichtet (das unterdrueckte Wachstum sowie GH, IGF-I und IGFBP-3 waren die gemessenen pharmakologischen Ergebnisse, nicht als Toxizitaet eingestuft)

Quellen: Dunaiski, Dunshea, Walton, Goddard. Long [R3] insulin-like growth factor-I reduces growth, plasma growth hormone, IGF binding protein-3 and endogenous IGF-I concentrations in pigs. J Endocrinol. 1997.

Modell
Ratte (weiblich, ca. 110 g Koerpergewicht)
Untersucht bei
Stimulation des Wachstums des Duenn- und Dickdarmepithels
Dosis
2.5 mg/kg/day (published per-kg)
Dosierung
Kontinuierliche Infusion, taeglich
Applikation
subkutan (kontinuierliche Infusion)
Dauer
3 Tage

Gemessene Wirkung: Bei einer gleichen Dosis von 2,5 mg/kg/Tag erhoehte LR3 IGF-I, aber NICHT natives IGF-I, das Koerpergewicht und steigerte das Feuchtgewicht von sowohl Duenn- als auch Dickdarm um etwa 20% gegenueber den Kontrollen. Die Laenge der Duodenalkrypten stieg um etwa 13% und die der Ilealkrypten um etwa 22%, mit mehr Zellen pro Krypte. Der Markierungsindex mit tritiiertem Thymidin (Marker der Zellproliferation) stieg im Duodenum und Ileum um bis zu etwa 14%. Der Markierungsindex des Kolons blieb niedrig mit nicht signifikanter Aenderung. Dies veranschaulicht, dass LR3 in vivo potenter ist als natives IGF-I, weil es den IGF-Bindungsproteinen entgeht.

Nebenwirkungen: In dieser Studie wurden keine unerwuenschten Ereignisse berichtet

Quellen: Steeb CB, Trahair JF, Read LC. Administration of insulin-like growth factor-I (IGF-I) peptides for three days stimulates proliferation of the small intestinal epithelium in rats. Gut. 1995.

Modell
Meerschweinchen (weiblich, ca. 350 g Koerpergewicht)
Untersucht bei
Wirkung auf das Ganzkoerper- und Organwachstum und die zirkulierende IGF-Achse
Dosis
About 0.34 mg/kg/day (paper gave an absolute 120 micrograms/day; divided by the reported 350 g body weight that is roughly 0.34 mg/kg/day)
Dosierung
Kontinuierliche Infusion, taeglich
Applikation
subkutan (kontinuierliche Infusion)
Dauer
7 Tage

Gemessene Wirkung: LR3 IGF-I erhoehte signifikant die fraktionellen (auf das Koerpergewicht bezogenen) Gewichte von Nebennieren, Darm, Nieren und Milz und zeigte damit ein selektives Organwachstum. Die Ganzkoerper-Gewichtszunahme und die Futteraufnahme aenderten sich jedoch NICHT signifikant. Gleichzeitig waren die zirkulierenden Plasmakonzentrationen von IGF-I, IGF-II und IGF-Bindungsproteinen reduziert. Das Analogon verteilte das Wachstum also auf bestimmte Organe um, ohne in dieser kurzen Studie eine Netto-Koerpergewichtszunahme anzutreiben.

Nebenwirkungen: In dieser Studie wurden keine unerwuenschten Ereignisse berichtet

Quellen: Conlon MA, Tomas FM, Owens PC, Wallace JC, Howarth GS, Ballard FJ. Long R3 insulin-like growth factor-I (IGF-I) infusion stimulates organ growth but reduces plasma IGF-I, IGF-II and IGF binding protein concentrations in the guinea pig. J Endocrinol. 1995.

Modell
Zellkultur (in vitro), neonatale Rattenlungenfibroblasten (postnataler Tag 5)
Untersucht bei
Proliferationspotenz im Vergleich zu nativem IGF-I
Dosis
0.6 nM for half-maximal stimulation (in vitro molar concentration)
Dosierung
Einmalige Zugabe zum Kulturmedium
Applikation
in vitro
Dauer
48 Stunden Exposition

Gemessene Wirkung: Long[R3]IGF-I erhoehte die Zahl der Fibroblastenzellen und war potenter als natives IGF-I: halbmaximaler proliferativer Effekt bei etwa 0,6 nM fuer Long[R3]IGF-I gegenueber etwa 1,5 nM fuer IGF-I. Die groessere Potenz wird darauf zurueckgefuehrt, dass LR3 den hemmenden IGF-Bindungsproteinen (IGFBP-3, IGFBP-4) entgeht, die die Zellen sezernieren. Dies ist ein mechanistischer Potenzvergleich, kein Ergebnis zum Gewebewachstum.

Nebenwirkungen: In dieser Studie wurden keine unerwuenschten Ereignisse berichtet (in vitro)

Quellen: Price WA. Regulation of insulin-like growth factor (IGF)-binding protein expression by growth factors and cytokines alters IGF-mediated proliferation of postnatal lung fibroblasts. Exp Lung Res. 2004.

Modell
Zellkultur (in vitro), aufgereinigte Theka-Interstitialzellen des Rattenovars
Untersucht bei
DNA-Synthese / Zellproliferation (Modell relevant fuer ovarielle Stromahyperplasie)
Dosis
In vitro molar concentration not stated numerically in the abstract; tested in chemically defined medium
Dosierung
Einmalige Zugabe zum Kulturmedium
Applikation
in vitro
Dauer
Inkubationsdauer im Abstract nicht angegeben

Gemessene Wirkung: Die Analoga long R3-IGF-I und des(1-3)IGF-I mit verringerter IGFBP-Affinitaet erzeugten GROESSERE Effekte auf die DNA-Synthese als natives IGF-I in aufgereinigten Theka-Interstitialzellen der Ratte. Das Abstract berichtet einen qualitativen Vergleich (groesserer proliferativer Effekt), gibt aber keinen numerischen Faktor der Aenderung oder Wert des Thymidineinbaus an. Die Autoren merken an, dass dies helfen koennte, die thekale und stromale Hyperplasie bei hyperinsulinaemischen Zustaenden wie dem polyzystischen Ovarialsyndrom zu erklaeren.

Nebenwirkungen: In dieser Studie wurden keine unerwuenschten Ereignisse berichtet (in vitro)

Quellen: Duleba AJ, Spaczynski RZ, Olive DL, Behrman HR. Effects of insulin and insulin-like growth factors on proliferation of rat ovarian theca-interstitial cells. Biol Reprod. 1997.

Wie belastbar

Die Evidenzqualitaet speziell fuer das LR3-Analogon ist duenn und nahezu vollstaendig praeklinisch. Alle verifizierten Studien sind Tierstudien (Schwein, Ratte, Meerschweinchen) oder In-vitro-Arbeiten an Rattenzellen; eine PubMed-Suche nach einer klinischen Humanstudie zu LR3 ergab NULL Treffer, sodass LR3-spezifische Daten zu Wirksamkeit und Sicherheit beim Menschen praktisch nicht vorhanden sind. Die Humandaten, die fuer "IGF-1" angefuehrt werden, betreffen natives rekombinantes IGF-1 (Mecasermin), ein anderes Molekuel, und duerfen nicht auf LR3 uebertragen werden. Die Tierdaten sind zudem alt (meist 1995-2004) und entsprechen nicht den heroischen muskelaufbauenden Ergebnissen, die Anbieter oft behaupten. Zwei der In-vivo-Studien sind fuer das beliebte Wachstumsnarrativ faktisch NEGATIV oder paradox: bei Schweinen (PMID 9488001) VERRINGERTE LR3 IGF-I die Gewichtszunahme, die Futteraufnahme, das GH und die IGF-Achse; bei Meerschweinchen (PMID 7561636) liess es bestimmte Organe wachsen, erhoehte aber NICHT das Gesamtkoerpergewicht und senkte das zirkulierende IGF-I/II. Das einzige eindeutig positive Wachstumsergebnis ist die Proliferation des Darmepithels bei Ratten (PMID 8549937, +20% Darmgewicht bei 2,5 mg/kg/Tag), und die Zellkulturstudien (PMID 15204833, 9096870) zeigen lediglich, dass LR3 staerker als IGF-I die Proliferation in der Schale antreibt, nicht dass es beim Menschen sicher oder wirksam ist. Dosierungskontext: die Tierdosen pro kg sind aus den Arbeiten verifiziert (0,18 mg/kg/Tag Schwein; 2,5 mg/kg/Tag Ratte); der Meerschweinchen-Wert von etwa 0,34 mg/kg/Tag ist eine Umrechnung der in der Arbeit angegebenen absoluten 120 Mikrogramm/Tag unter Verwendung des dort berichteten Koerpergewichts von 350 g, kein direkt veroeffentlichter Wert pro kg. Die In-vitro-Potenz wird in nM angegeben. Es gibt kein etabliertes, validiertes Dosierungsprotokoll fuer LR3 beim Menschen, und das chronische Antreiben der IGF-1-Rezeptor-Signaluebertragung birgt eine bekannte theoretische proliferative/onkogene Sorge, die keine dieser kurzen Studien zu bewerten ausgelegt war.

Quellen

Studiendaten, nur Forschung, kein etabliertes Humanprotokoll.