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Forschung im Klartext

Melanotan-2

Worum geht's

Melanotan-2 (MT-2) ist ein synthetisches zyklisches Analogon des koerpereigenen alpha-Melanozyten-stimulierenden Hormons (alpha-MSH). Es bindet an Melanocortin-Rezeptoren und wurde hauptsaechlich fuer drei Dinge untersucht: das Verdunkeln der Haut (Pigmentierung), das Ausloesen von Penis-Erektionen und das Verringern von Appetit/Nahrungsaufnahme bei Tieren. Es ist kein zugelassenes Arzneimittel, und die meisten Humandaten stammen aus sehr kleinen Studien der fruehen Phase sowie aus Fallberichten ueber Schaeden.

In Studien so eingesetzt

Modell
Mensch, 3 gesunde erwachsene Maenner
Untersucht bei
Hautpigmentierung (Braeunung), Phase-I-Sicherheit/Dosisfindung
Dosis
0.01 mg/kg starting, escalated to 0.025-0.03 mg/kg. Already reported per kilogram by the authors, so no weight conversion is needed.
Dosierung
Einmal taeglich an Werktagen (Montag bis Freitag), abwechselnd mit Kochsalz-Placebo
Applikation
subkutan
Dauer
2 aufeinanderfolgende Wochen der Dosierung

Gemessene Wirkung: Zwei der drei Probanden entwickelten eine verstaerkte Pigmentierung im Gesicht, am Oberkoerper und am Gesaess, gemessen mittels Reflektanz und visueller Beurteilung eine Woche nach der Behandlung. Die Autoren schlugen 0.025 mg/kg/Tag fuer Folgestudien vor.

Nebenwirkungen: Leichte Uebelkeit bei den meisten Dosisstufen (keine Antiemetika erforderlich), Grad-II-Somnolenz und Muedigkeit bei einem Probanden bei 0.03 mg/kg, sowie ein Streck-und-Gaehn-Komplex mit spontanen Penis-Erektionen, die 1 bis 5 Stunden nach der Injektion anhielten.

Quellen: Dorr RT, et al. Life Sci. 1996 (Phase I pilot, MT-II pigmentation)

Modell
Mensch, 10 Maenner mit organischer erektiler Dysfunktion
Untersucht bei
Erektile Dysfunktion / Penis-Erektion und sexuelles Verlangen
Dosis
0.025 mg/kg. Already reported per kilogram by the authors, so no weight conversion is needed.
Dosierung
Zwei aktive Injektionen und zwei Placebo-Injektionen pro Mann, in randomisierter Reihenfolge (Crossover)
Applikation
subkutan
Dauer
Einzeldosis-Sitzungen mit 6 Stunden RigiScan-Ueberwachung pro Injektion

Gemessene Wirkung: Subjektiv berichtete Erektionen traten nach 12 von 19 aktiven Injektionen gegenueber 1 von 21 Placebo-Dosen auf. Der mittlere Rigiditaets-Score unter den Respondern lag bei 6.9 von 10. Die mittlere Dauer der Spitzen-Rigiditaet ueber 80 Prozent betrug 45.3 Minuten mit MT-2 gegenueber 1.9 Minuten mit Placebo (P = 0.047). Das sexuelle Verlangen war nach dem aktiven Wirkstoff signifikant hoeher.

Nebenwirkungen: Uebelkeit und eine Streck-/Gaehn-Reaktion waren mit MT-2 haeufiger als mit Placebo; 4 von 19 aktiven Injektionen verursachten schwere Uebelkeit.

Quellen: Wessells H, et al. Urology. 2000 (MT-II, organic ED, crossover)

Modell
Mensch, 20 Maenner mit erektiler Dysfunktion (psychogen und organisch)
Untersucht bei
Erektile Dysfunktion / Penis-Erektion und sexuelle Motivation
Dosis
0.025 mg/kg. Already reported per kilogram by the authors, so no weight conversion is needed.
Dosierung
Aktive und Placebo-Dosen pro Mann in randomisierter Reihenfolge (Crossover)
Applikation
subkutan (systemisch)
Dauer
Einzeldosis-Sitzungen mit 6 Stunden RigiScan-Ueberwachung der Penis-Rigiditaet

Gemessene Wirkung: Ohne jegliche sexuelle Stimulation trat bei 17 von 20 Maennern eine Erektion auf. Die mittlere Spitzen-Rigiditaet blieb fuer etwa 41 Minuten ueber 80 Prozent. Ein gesteigertes sexuelles Verlangen wurde nach 13 von 19 (68 Prozent) MT-2-Dosen gegenueber 4 von 21 (19 Prozent) Placebo-Dosen berichtet (P < 0.01).

Nebenwirkungen: Uebelkeit und Gaehnen wurden haeufig berichtet. Schwere Uebelkeit trat bei etwa 12.9 Prozent der Probanden bei der Dosis von 0.025 mg/kg auf.

Quellen: Wessells H, et al. Int J Impot Res. 2000 (MT-II, ED, RigiScan)

Modell
Ratte (Sprague-Dawley)
Untersucht bei
Appetit / Nahrungsaufnahme, plus Trinken, Koerpertemperatur und Aktivitaet
Dosis
0.05 to 500 ng TOTAL per injection, delivered directly into the brain (third ventricle). This is a central nanogram dose, NOT a per-kilogram body-weight dose, and cannot be converted to mg/kg.
Dosierung
Einzelne intrazerebroventrikulaere Injektionen pro Test, verabreicht vor der naechtlichen Fressphase
Applikation
intrazerebroventrikulaer (dritter Ventrikel)
Dauer
Akut, Beobachtung ueber Nacht pro Dosis

Gemessene Wirkung: Eine niedrige zentrale Dosis (0.05 ng) reduzierte die naechtliche Nahrungsaufnahme, ohne Koerpertemperatur, Trinken oder Aktivitaet zu veraendern. Hoehere zentrale Dosen (50 ng und darueber) reduzierten die Nahrungsaufnahme, erhoehten aber auch die Koerpertemperatur und veraenderten das Trinkverhalten, was die Autoren als moeglicherweise unspezifisch kennzeichneten.

Nebenwirkungen: Hyperthermie und gestoerte Trinkmuster bei den hoeheren zentralen Dosen. In diesem Tiermodell findet keine Ueberwachung unerwuenschter Ereignisse nach Humanstandard statt.

Quellen: Murphy B, et al. J Appl Physiol. 2000 (central MTII, feeding/temperature in rats)

Modell
Mensch, Einzelfall (39-jaehriger Mann)
Untersucht bei
Kosmetische Braeunungsanwendung mit akuter systemischer Toxizitaet (Sicherheits-/Schadensbericht)
Dosis
6 mg injected as a single dose, described as six times the recommended starting dose. Weight was not reported; at a typical 70 to 90 kg adult man this is roughly 0.07 to 0.09 mg/kg, but the actual body weight was not given, so treat this conversion as an estimate only.
Dosierung
Einzelne selbst verabreichte Injektion
Applikation
subkutan
Dauer
Akute Vorstellung innerhalb von etwa 2 Stunden, dann etwa 3 Tage auf der Intensivstation

Gemessene Wirkung: Sympathomimetisches Bild: diffuse Koerperschmerzen, Schwitzen, Angst, erhoehter Blutdruck (151/85 mmHg) und Tachykardie (Herzfrequenz 130 bis 146 bpm), mit Mydriasis und Tremor.

Nebenwirkungen: Rhabdomyolyse (Kreatinkinase erreichte einen Spitzenwert von 17.773 IU/L), akute Nierenschaedigung (Kreatinin 2.25 mg/dL), erhoehtes Troponin (0.23 ng/mL). Behandelt mit Benzodiazepinen, IV-Fluessigkeit und Natriumbikarbonat; Erholung ueber etwa 3 Tage auf der Intensivstation.

Quellen: Nelson ME, et al. Clin Toxicol (Phila). 2012 (MT-II, rhabdomyolysis and AKI case)

Modell
Mensch, einzelner Fallbericht
Untersucht bei
Haut-/Muttermalveraenderungen nach Anwendung von Melanotan II (Sicherheits-/Schadensbericht)
Dosis
A single mono-dose injection of melanotan II; the exact milligram amount and body weight were not given in the abstract, so no mg/kg figure can be calculated.
Dosierung
Einzelne Injektion
Applikation
Injektion (Route ueber die injizierbare Anwendung hinaus nicht spezifiziert)
Dauer
Effekte innerhalb von 24 Stunden beobachtet

Gemessene Wirkung: Eruptive (neu auftretende) Naevi und Verdunkelung bereits vorhandener Naevi wurden 24 Stunden nach einer Injektion beobachtet.

Nebenwirkungen: Die Naevus-Veraenderungen selbst sind das unerwuenschte Ereignis. Das ploetzliche Auftreten und Verdunkeln von Muttermalen ist besorgniserregend, weil es die Ueberwachung auf Hautkrebs erschwert.

Quellen: Schulze F, et al. Eur J Dermatol. 2014 (eruptive/darkening naevi after single MT-II dose)

Wie belastbar

Ehrliches Bild: Die Evidenzgrundlage fuer Melanotan-2 ist duenn und alt. Die einzigen Wirksamkeitsdaten beim Menschen stammen aus winzigen Studien der fruehen Phase, die groesstenteils von derselben Arizona-Gruppe durchgefuehrt wurden, die an der Entwicklung des Peptids beteiligt war (eine klare Sponsoring-/Interessenkonflikt-Erwaegung): eine Phase-I-Pigmentierungs-Pilotstudie mit 3 Maennern (PMID 8637402) und zwei kleine Crossover-Studien zur erektilen Dysfunktion mit 10 und 20 Maennern (PMIDs 11018622, 11035391). Diese berichteten Dosen pro Kilogramm im Bereich von etwa 0.01 bis 0.03 mg/kg und zeigten messbare Pigmentierungs- und Erektionssignale, aber die Zahlen sind klein, kurzfristig und nicht darauf ausgelegt, die Sicherheit zu belegen. Die Daten zu Appetit/Nahrungsaufnahme (PMID 10904062) stammen von Ratten und verwendeten zentrale Nanogramm-Dosen ins Gehirn (intrazerebroventrikulaer), die NICHT mit einer pro Kilogramm injizierten Humandosis vergleichbar sind, weshalb sie nichts ueber die Dosierung beim Menschen aussagen. Es gibt KEIN etabliertes, validiertes Dosierungsprotokoll fuer Melanotan-2 beim Menschen; es ist eine nicht zugelassene Substanz. Die Sicherheitsseite wird von Fallberichten ueber tatsaechliche Schaeden dominiert: systemische sympathomimetische Toxizitaet mit Rhabdomyolyse und akuter Nierenschaedigung nach einer Dosis von 6 mg (PMID 23121206), ploetzliches Auftreten und Verdunkeln von Muttermalen innerhalb von 24 Stunden (PMID 24334249) sowie mehrere Berichte ueber Melanome und Melanome in situ im Zusammenhang mit der Anwendung (PMIDs 21564053, 22724573). Haeufige Nebenwirkungen bereits bei den Studiendosen umfassen Uebelkeit (manchmal schwer), Gaehnen/Strecken, spontane Erektionen sowie Veraenderungen von Blutdruck/Herzfrequenz. Fazit: schwache, veraltete Humandaten zur Wirksamkeit mit kleinen Stichproben, Appetitdaten nur aus Tierversuchen, kein nachgewiesen sicheres Protokoll und dokumentierte schwere Schaeden. Dies sind ausschliesslich forschungsbezogene Informationen, keine medizinische Anleitung.

Quellen

Studiendaten, nur Forschung, kein etabliertes Humanprotokoll.