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Forschung im Klartext

TB-500

Worum geht's

Thymosin beta-4 (Tbeta4) ist ein natuerlich vorkommendes, Aktin-bindendes Peptid aus 43 Aminosaeuren. In der Forschung wurde es zur Gewebereparatur untersucht: Wundheilung der Haut und der Hornhaut, Herzschutz nach einem Herzinfarkt sowie trockenes Auge. Die klinische und tierexperimentelle Evidenz beruht fast ausschliesslich auf dem vollstaendigen Peptid aus 43 Aminosaeuren (Arzneimittelcodes RGN-259 fuer das Auge und RGN-352 fuer die systemische bzw. kardiale Anwendung). Das auf Forschungsmaerkten als "TB-500" verkaufte Produkt wird als das Aktin-bindende Fragment von Tbeta4 vermarktet (haeufig zentriert auf die Ac-LKKTETQ-Sequenz) und ist nicht das Molekuel, das in den unten aufgefuehrten, von Fachgutachtern geprueften Wirksamkeitsstudien verwendet wurde. Es gibt im Wesentlichen keine kontrollierten Wirksamkeitsstudien zum isolierten "TB-500"-Fragment selbst, daher bezieht sich die hier dargestellte Evidenz auf das vollstaendige Thymosin beta-4.

In Studien so eingesetzt

Modell
Maus (C57BL/6), akuter Myokardinfarkt
Untersucht bei
Herzruptur und Herzfunktion nach einem Herzinfarkt
Dosis
1.6 mg/kg/day
Dosierung
Kontinuierliche Verabreichung ueber eine implantierte osmotische Minipumpe (einmal befuellt, kontinuierliche Infusion)
Applikation
intraperitoneal
Dauer
7 Tage oder 5 Wochen

Gemessene Wirkung: Tbeta4 reduzierte signifikant das Auftreten einer Herzruptur nach dem Infarkt und die daraus resultierende fruehe Sterblichkeit. Es verringerte infiltrierende Entzuendungszellen und apoptotische Myozyten, senkte die gelatinolytische (MMP-)Aktivitaet sowie die ICAM-1/p53-Expression und erhoehte die Anzahl CD31-positiver Zellen. Nach 5 Wochen Behandlung verringerte es die linksventrikulaere Dilatation, verbesserte die Herzfunktion, reduzierte deutlich den interstitiellen Kollagenanteil und erhoehte die Kapillardichte. Prozentuale Ergebniswerte wurden im Abstract nicht angegeben.

Nebenwirkungen: Keine unerwuenschten Ereignisse in dieser Studie berichtet

Quellen: Peng H, Xu J, Yang XP, Dai X, Peterson EL, Carretero OA, Rhaleb NE. Thymosin-beta4 prevents cardiac rupture and improves cardiac function in mice with myocardial infarction. Am J Physiol Heart Circ Physiol. 2014.

Modell
Schwein (Sus scrofa), globale Myokard-Ischaemie-Reperfusion mittels kardiopulmonalem Bypass
Untersucht bei
Kardioprotektion gegen globalen Ischaemie-Reperfusions-Schaden (NEGATIVES / Null-Ergebnis)
Dosis
6 mg/kg
Dosierung
Zwei intravenoese Dosen: eine zu Studienbeginn (vor der Ischaemie) und eine 360 Minuten nach Behandlungsbeginn
Applikation
intravenoes
Dauer
Einzelne chirurgische Episode (60-minuetige Aortenabklemmung) mit Ueberwachung ueber 30 Stunden

Gemessene Wirkung: Negatives Ergebnis. Tbeta4 verringerte nicht das Ausmass des Kardiomyozyten-Zelltods, und die Herzfunktion sowie der globale Myokardblutfluss (beurteilt mittels Herz-MRT und PET) waren zwischen Behandlungs- und Kontrollgruppe vergleichbar. Der vorab festgelegte kardioprotektive Effekt wurde NICHT nachgewiesen.

Nebenwirkungen: Bei dieser hohen Dosis zeigte Tbeta4 vasokonstriktorische Effekte auf die Mesenterialarterien und vasodilatatorische Effekte auf die Koronararterien, und in Kombination mit Thrombozytenaggregationshemmern wurde eine verringerte Blutgerinnselfestigkeit beobachtet.

Quellen: Stark C, et al. Systemic Dosing of Thymosin Beta 4 before and after Ischemia Does Not Attenuate Global Myocardial Ischemia-Reperfusion Injury in Pigs. Front Pharmacol. 2016.

Modell
Mensch, Erwachsene mit schwerem trockenem Auge (einschliesslich Graft-versus-Host-Disease-assoziierter Faelle)
Untersucht bei
Schwere Erkrankung des trockenen Auges
Dosis
Topical 0.1% RGN-259 ophthalmic solution (about 50 micrograms of thymosin beta-4 per ~50 microliter drop). This is a topical eye drop, so a body-weight (mg/kg) conversion does not apply and patient body weight was not reported.
Dosierung
Sechsmal taeglich, ein Tropfen pro Dosis
Applikation
topisch (ophthalmisch)
Dauer
28 Tage Behandlung plus 28 Tage Nachbeobachtung (insgesamt 56 Tage)

Gemessene Wirkung: Randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Phase-2-Studie an 9 Patienten. An Tag 56 zeigte die Tbeta4-Gruppe eine Reduktion der okularen Beschwerden um 35,1% gegenueber dem Vehikel (P=0,0141) und eine Reduktion der gesamten Hornhaut-Fluoreszein-Faerbung um 59,1% gegenueber dem Vehikel (P=0,0108), mit Verbesserungen der Traenenfilm-Aufrisszeit und des Traenenvolumens.

Nebenwirkungen: Als sicher und gut vertraeglich berichtet; im Abstract wurden keine spezifischen unerwuenschten Ereignisse aufgefuehrt.

Quellen: Sosne G, Dunn SP, Kim C. Thymosin beta4 significantly improves signs and symptoms of severe dry eye in a phase 2 randomized trial. Cornea. 2015.

Modell
Maus (129 Sv), Hornhautverletzung durch Laugenveraetzung
Untersucht bei
Hornhautwundheilung und Entzuendung nach chemischer Veraetzung (Lauge)
Dosis
5 micrograms per dose (5 microg in 5 microliter PBS) applied topically to the eye; body weight not reported and per-kg conversion is not applicable to a topical ocular dose
Dosierung
Zweimal taeglich
Applikation
topisch (ophthalmisch)
Dauer
Bis ueber 7+ Tage nach der Verletzung

Gemessene Wirkung: Topisches Tbeta4 beschleunigte die Reepithelisierung der Hornhaut zu allen gemessenen Zeitpunkten gegenueber der Kontrolle und verringerte an Tag 7 die Infiltration polymorphkerniger Leukozyten (PMN/Neutrophile). Die mRNA-Spiegel von Interleukin-1beta und der Chemokine MIP-1alpha, MIP-1beta, MIP-2 und MCP-1 waren von Tag 1 bis 7 mehrfach reduziert.

Nebenwirkungen: Keine unerwuenschten Ereignisse in dieser Studie berichtet

Quellen: Sosne G, Szliter EA, Barrett R, Kernacki KA, Kleinman H, Hazlett LD. Thymosin beta 4 promotes corneal wound healing and decreases inflammation in vivo following alkali injury. Exp Eye Res. 2002.

Modell
Maus (db/db diabetisch), tiefe zweitgradige dermale Brandwunde
Untersucht bei
Diabetische Brandwundheilung
Dosis
5 mg/kg
Dosierung
Zweimal woechentlich
Applikation
intradermale Injektion in Wundnaehe
Dauer
2 Wochen

Gemessene Wirkung: Tbeta4 verbesserte Wundheilungsmarker einschliesslich Wundverschluss, Granulation und Vaskularisierung und senkte die Spiegel des Rezeptors fuer fortgeschrittene Glykierungsendprodukte (RAGE) waehrend der Heilung. Spezifische prozentuale Werte wurden im Abstract nicht berichtet.

Nebenwirkungen: Keine unerwuenschten Ereignisse in dieser Studie berichtet

Quellen: Kim S, Kwon J. Thymosin beta 4 improves dermal burn wound healing via downregulation of receptor of advanced glycation end products in db/db mice. Biochim Biophys Acta. 2014.

Modell
Ratte, Hautwunde voller Dicke (zusaetzlich kultivierte Maus-Keratinozyten in vitro)
Untersucht bei
Dermale Wundheilung (Reepithelisierung, Kontraktion, Angiogenese)
Dosis
Applied topically and by intraperitoneal injection; the per-animal amount and body weight were not reported in the abstract, so a mg/kg value cannot be stated. The in vitro cell-migration assay was active with as little as 10 picograms of Tbeta4.
Dosierung
Verabreicht zum Zeitpunkt der Verwundung (einmalige/wiederholte topische und intraperitoneale Anwendung)
Applikation
topisch und intraperitoneal
Dauer
Beurteilt an Tag 4 und 7 nach der Verwundung

Gemessene Wirkung: Topisches oder intraperitoneales Tbeta4 erhoehte die Reepithelisierung an Tag 4 um 42% gegenueber den Kochsalzkontrollen und an Tag 7 um bis zu 61%; die Wundkontraktion uebertraf die Kontrollen bis Tag 7 um mindestens 11%; Kollagenablagerung und Angiogenese wurden verstaerkt; die Keratinozytenmigration wurde in vitro gegenueber dem Medium allein um das 2- bis 3-Fache stimuliert.

Nebenwirkungen: Keine unerwuenschten Ereignisse in dieser Studie berichtet

Quellen: Malinda KM, Sidhu GS, Mani H, Banaudha K, Maheshwari RK, Goldstein AL, Kleinman HK. Thymosin beta4 accelerates wound healing. J Invest Dermatol. 1999.

Wie belastbar

Ehrliche Einschaetzung. (1) Molekuel-Diskrepanz: Jede der unten aufgefuehrten Studien testete das vollstaendige Thymosin beta-4 aus 43 Aminosaeuren (RGN-259 / RGN-352), NICHT das auf Forschungsmaerkten verkaufte "TB-500"-Fragment. Es gibt im Wesentlichen keine kontrollierte Wirksamkeitsliteratur zum isolierten TB-500-Fragment, daher ist die Uebertragung dieser Ergebnisse auf TB-500 eine Extrapolation und kein direkter Nachweis. (2) Die meisten Wirksamkeitsdaten stammen aus Tierversuchen (Maus, Ratte, Schwein) oder in vitro; nur die Arbeit zum trockenen Auge ist am Menschen. (3) Die Evidenz am Menschen ist duenn und beschraenkt sich auf das Auge: Die staerkste hier aufgefuehrte Humanstudie (PMID 25826322) ist eine Phase-2-RCT mit nur 9 Patienten, statistisch signifikant fuer Anzeichen/Symptome des trockenen Auges, aber sehr klein; spaetere groessere Phase-3-Programme zum trockenen Auge fuer RGN-259 haben gemischte Ergebnisse geliefert, und mindestens eines verfehlte seinen primaeren Endpunkt, daher ist der Augennutzen nicht fest belegt. (4) Negative Daten existieren und sind wichtig: Die Ischaemie-Reperfusions-Studie am Schwein (PMID 27199757) war eine gut kontrollierte Studie am Grosstier, die KEINEN Herzschutz bei 6 mg/kg IV fand und dosisabhaengige vaskulaere und Gerinnungseffekte zeigte; dies widerspricht den positiven kardialen Befunden bei kleinen Nagetieren. (5) Der kardiale Nutzen bei Maeusen (PMID 25015963) stammt aus dem Nagetiermodell einer einzigen Forschungsgruppe und hat sich nicht auf Grosstiere oder Menschen uebertragen. (6) Die Dosierung ist studienuebergreifend uneinheitlich und routenabhaengig: systemische Nagetierdosen reichen von 1,6 mg/kg/Tag (IP-Infusion) ueber 5 mg/kg (intradermal) bis 6 mg/kg IV (Schwein); topische Augen- und Wunddosen sind absolute Mikrogramm-Mengen, die nicht in mg/kg umgerechnet werden koennen. (7) Mehrere Abstracts berichten die Wirkrichtung ohne numerische Groessenordnungen (PMID 25230158, 25015963), und die grundlegende Wundheilungsarbeit an der Ratte (PMID 10469335) berichtete weder die Dosis pro Tier noch das Koerpergewicht. Insgesamt: ein mechanistisch plausibles Reparaturpeptid mit reproduzierbaren Wund- und Hornhautsignalen bei Tieren, eine kleine positive Augenstudie am Menschen, aber eine dokumentierte negative kardiale Studie am Grosstier, keine systemischen Outcome-Daten am Menschen und kein validiertes, standardisiertes Dosierungsprotokoll fuer den Menschen.

Quellen

Studiendaten, nur Forschung, kein etabliertes Humanprotokoll.