Die nächsten fünf: Was über LL-37, GHK-Cu, Melanotan II, Dihexa und PEG-MGF wirklich bekannt ist
Vor Ende Februar 2027 prüft die FDA fünf weitere Peptide. Wir haben die Humandaten zu jedem einzelnen nachgeschlagen. Das Ergebnis überrascht in beide Richtungen.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel wertet wissenschaftliche Literatur und ein US-amerikanisches Regulierungsverfahren aus, ausschließlich zu Informationszwecken. Keine der fünf besprochenen Substanzen ist ein in der EU oder den USA zugelassenes Arzneimittel. Wir liefern Forschungssubstanzen für den Laborgebrauch, nicht für den menschlichen Verzehr. Nichts hier ist eine Dosierungsempfehlung, ein Protokoll, eine Sicherheitszusage oder eine Rechtsberatung. Drei der fünf Substanzen führen wir im Sortiment, was uns ein offensichtliches Interesse daran gibt, wie dieser Text ausfällt. Wir haben trotzdem jeden Befund so aufgeschrieben, wie er in der Quelle steht, auch wo er unangenehm ist.
TL;DR: fünf Substanzen, drei völlig verschiedene Evidenzklassen
Was ansteht: Vor Ende Februar 2027 prüft das Pharmacy Compounding Advisory Committee der FDA fünf weitere Peptide für die US-Section-503A-Liste: LL-37, GHK-Cu, Melanotan II, Dihexa-Acetat und PEG-MGF. Ein Termin ist noch nicht veröffentlicht. Die Überraschung nach oben: LL-37 hat als einzige der fünf eine randomisierte Phase-IIb-Studie an 148 Patienten. Sie zeigte in der Gesamtpopulation keine signifikante Verbesserung gegenüber Placebo. Die Überraschung nach unten: Bei Dihexa wurde die Arbeit, die den Wirkmechanismus überhaupt erst interessant machte, im April 2025 zurückgezogen. Eine klinische Studie am Menschen ist nicht auffindbar. Die Ironie: Melanotan II hat Humandaten aus dem Jahr 2000. Aus seiner eigenen Substanzfamilie ist tatsächlich ein Medikament zugelassen worden, nämlich Bremelanotid. Nicht weil man ihm die Pigmentwirkung genommen hätte, sondern weil es ein vollständiges Zulassungsverfahren durchlaufen hat. Was das für die Prognose heißt: Nach dem Maßstab, den die FDA-Gutachter im Juli 2026 angelegt haben, spricht bei allen fünf mehr dagegen als dafür. Nur sagt das über den Ausgang der Abstimmung wenig aus, und warum, steht weiter unten.
Von Cathelicidin abgeleitetes antimikrobielles Peptid (37 Aminosäuren). Erforscht für angeborene Immunität, antimikrobielle Aktivität und Wundheilungspfade. ≥99% HPLC-Reinheit mit Janoshik CoA.
Kupfer-Tripeptid-Komplex für Hautregenerations- und Anti-Aging-Forschung. Stimuliert die Kollagensynthese, beschleunigt die Wundheilung und reduziert feine Linien. Einer der am besten erforschten Wirkstoffe in der dermatologischen Peptidforschung.
Bräunungs-Peptid, das die Melaninproduktion in der Haut aktiviert. Stimuliert Melanozyten-Rezeptoren für natürliche UV-freie Pigmentierung. Wird auch zur Appetitregulierung und Libido-Forschung eingesetzt.
Gewebereparatur, Wundheilung und Regenerations-Peptide
Worum es im Februar 2027 geht
Am 23. und 24. Juli 2026 hat das Pharmacy Compounding Advisory Committee (PCAC) der FDA sieben Peptide geprüft und sechs davon für die Section-503A-Liste befürwortet. Was dort entschieden wurde, was nicht, und warum das keine Zulassung ist, steht in unserem vollständigen Bericht zu den Abstimmungen.
Dieser Artikel handelt von der zweiten Runde. Fünf weitere Substanzen kommen vor dasselbe Gremium: LL-37, GHK-Cu, Melanotan II, Dihexa-Acetat und PEG-MGF. Erwartet wird die Sitzung vor Ende Februar 2027, ein Datum und ein Ort waren Stand August 2026 nicht veröffentlicht.
Drei dieser fünf führen wir. Statt abzuwarten, was das Gremium sagt, haben wir nachgeschlagen, was zu jeder Substanz an Humandaten tatsächlich existiert. Die Antwort ist bei keiner der fünf das, was man aus der Verkaufsliteratur erwarten würde, und zwar in beide Richtungen.
LL-37: die einzige mit einer Phase-IIb-Studie, und die blieb ohne signifikanten Effekt
LL-37 ist das einzige der fünf, das den ganzen Weg durch eine ordentliche klinische Entwicklung gegangen ist. Ein schwedisches Unternehmen hat es unter dem Freinamen Ropocamptid als topisches Wundmittel entwickelt.
Die erste Studie fiel positiv aus. In einer First-in-Man-Studie mit 34 Patienten mit schwer heilenden Ulcus cruris venosum (Grönberg et al., Wound Repair and Regeneration, 2014) wurden drei Konzentrationen geprüft, 0,5, 1,6 und 3,2 mg/ml, jeweils gegen Placebo. Für die beiden niedrigeren lagen die Heilungsraten-Konstanten etwa sechsfach (0,5 mg/ml) und etwa dreifach (1,6 mg/ml) über Placebo. Statistisch signifikant war davon nur die niedrigste Dosis (p = 0,003), die mittlere nicht (p = 0,088). Für die höchste Dosis nennt die Publikation keinen dieser beiden Vergleichswerte.
Die größere Studie hat es nicht bestätigt. Die Phase-IIb-Studie HEAL LL-37 (Mahlapuu et al., Wound Repair and Regeneration, 2021) war doppelblind, randomisiert, placebokontrolliert, multizentrisch und schloss 148 Patienten ein. Aus der Publikation im Wortlaut: die Wirksamkeitsanalyse an der Gesamtpopulation ergab keine signifikante Verbesserung der Heilung gegenüber Placebo. Signifikant wurde es erst in einer Post-hoc-Analyse einer Untergruppe, nämlich bei Patienten mit großen Wunden ab 10 cm². Die Autoren selbst schreiben, das rechtfertige dringend eine weitere, angemessen gepowerte Studie. Verträglichkeit und Sicherheit waren in beiden Dosisstärken gut.
Warum die Post-hoc-Untergruppe die Studie nicht rettet
Eine Post-hoc-Untergruppenanalyse wird nach Sichtung der Daten gebildet, nicht vorab festgelegt. Sie kann eine Hypothese für die nächste Studie erzeugen, aber sie kann ein negatives Ergebnis in der Gesamtpopulation nicht ersetzen. Das schreiben die Autoren selbst so. Drei der Autoren waren zum Untersuchungszeitpunkt beim Sponsor angestellt, einer ist Minderheitsgesellschafter, was in der Publikation offengelegt ist.
Für die Bewertung im Februar 2027 kommt ein zweiter Punkt dazu, der in der Diskussion regelmäßig untergeht: beide Studien untersuchten die topische Anwendung auf einer offenen Wunde. Zur injizierten Anwendung von LL-37 am Menschen gibt es aus diesen Studien nichts. Wer die Wundheilungsdaten als Beleg für eine systemische Wirkung liest, liest etwas hinein, was nicht untersucht wurde.
GHK-Cu: eine einzige Humanstudie, und die war auf allen objektiven Endpunkten negativ
GHK-Cu ist die Substanz der fünf mit dem größten öffentlichen Bekanntheitsgrad, getragen vom Kosmetikmarkt. Die belastbare Humanevidenz ist trotzdem schmal und sie ist durchgängig topisch.
Die randomisierte Untersuchung, die am häufigsten zitiert wird, prüfte einen topischen Kupfer-Tripeptid-Komplex nach CO2-Laser-Resurfacing der Haut (Miller et al., Archives of Facial Plastic Surgery, 2006). Patienten wurden nach dem Eingriff randomisiert einer Nachbehandlung mit oder ohne GHK-Cu zugeteilt, bewertet wurden Erythem und Faltenbild durch verblindete Auswerter und per Computeranalyse.
Und jetzt das Ergebnis, das in der Verkaufsliteratur selten mitzitiert wird. Abgeschlossen haben die Studie 13 Patienten. Computeranalyse und verblindete Auswerter fanden keinen statistisch signifikanten Unterschied zwischen den Gruppen beim Abklingen des Erythems. Alle Patienten besserten sich deutlich bei Falten und Hautqualität, aber zwischen den Gruppen fand sich kein Unterschied. Signifikant war ein einziger Punkt, und zwar der Fragebogen: die Patienten, die GHK-Cu verwendet hatten, bewerteten ihre Hautqualität nach der Behandlung besser (p = 0,04). Die Autoren fassen es selbst so zusammen, dass GHK-Cu keine signifikante Verringerung des Erythems bewirkte und die objektive Bewertung keine signifikante Verbesserung von Falten oder Hautqualität fand, die Patientenzufriedenheit aber signifikant höher lag.
Das ist der belastbarste Humanbeleg, den diese Substanz hat: 13 Personen, objektiv negativ, subjektiv positiv. Dazu kommt, dass es eine Studie zu einer topischen Nachbehandlung ist und keine zu einer Injektion. Wie stark dieser zweite Unterschied wiegt, haben wir in GHK-Cu topisch oder injiziert im Detail aufgeschrieben: intakte menschliche Haut lässt von sich aus kaum Peptid oder Kupfer durch, und die einzige unabhängige pharmazeutische Untersuchung, die wir gefunden haben, brauchte eine Microneedle-Vorbehandlung, um überhaupt eine nennenswerte Aufnahme zu erzeugen.
Was das für die Nominierung bedeutet
Die 503A-Liste betrifft Substanzen, aus denen US-Apotheken auf Rezept Präparate herstellen dürfen. Eine Nominierung wird für konkrete Darreichungsformen und Anwendungsgebiete bewertet. Für welche Darreichungsform GHK-Cu diesmal bewertet wird, war Stand August 2026 nicht öffentlich dokumentiert. Sollte es die injizierbare sein, sind Humandaten zu einer topischen Zubereitung nur begrenzt übertragbar. Genau diese Lücke zwischen untersuchter und beantragter Anwendung haben die FDA-Gutachter im Juli 2026 bei mehreren der sieben Substanzen bemängelt.
Melanotan II: die einzige mit einer echten Sicherheitsakte
Melanotan II ist der Sonderfall der fünf. Es hat Humandaten, und es hat als einziges eine umfangreiche moderne Literatur, die fast vollständig aus Schadensmeldungen besteht.
Die Wirksamkeitsseite ist alt und klein. Die zentrale Untersuchung (Wessells et al., International Journal of Impotence Research, 2000) gab Melanotan II 20 Männern mit erektiler Dysfunktion in einem doppelblinden, placebokontrollierten Crossover-Design. 17 von 20 entwickelten ohne sexuelle Stimulation eine Erektion, die mittlere Dauer einer RigiScan-Spitzenrigidität über 80 Prozent betrug 41 Minuten. Gesteigertes sexuelles Verlangen wurde nach 13 von 19 Melanotan-II-Gaben berichtet gegenüber 4 von 21 unter Placebo. Übelkeit und Gähnen traten häufig auf.
Die Sicherheitsseite ist neu und wächst. Die Fallberichtsliteratur der letzten Jahre umfasst unter anderem Rhabdomyolyse mit Nierenversagen und einen Niereninfarkt (CEN Case Reports, 2020), die Frage nach einem malignen Melanom der Mundschleimhaut nach Nasenspray-Anwendung (International Journal of Oral and Maxillofacial Surgery, 2025), fünf primäre In-situ-Melanome bei einem Patienten mit unter anderem Melanotan-Exposition (JAAD Case Reports, 2026) und Schleimhautveränderungen nach 64 Tagen Selbstanwendung (Life, 2026). Ein niederländischer Übersichtsartikel fasst die Risiken unter dem Populärnamen der Substanz zusammen (Nederlands Tijdschrift voor Geneeskunde, 2022).
Was Fallberichte zeigen und was nicht
Fallberichte belegen keine Kausalität und haben keinen Nenner: man erfährt nicht, wie viele Personen die Substanz ohne Ereignis angewendet haben. Sie sind aber das Signal, mit dem Sicherheitsbewertungen anfangen, und sie sind bei Melanotan II zahlreicher und aktueller als die Wirksamkeitsdaten. Für eine Nutzen-Risiko-Abwägung ist das die ungünstigste denkbare Konstellation: der Nutzenbeleg ist 25 Jahre alt und stammt von 20 Personen, das Risikosignal ist frisch und wächst.
Und dann ist da die Pointe, die den Fall am besten erklärt. Aus derselben Substanzklasse ist ein Medikament zugelassen worden: Bremelanotid, in den USA seit Juni 2019 unter dem Namen Vyleesi. Und hier wird es interessant, denn der naheliegende Schluss ist falsch: Bremelanotid ist nicht das Molekül, dem man die Pigmentwirkung weggenommen hat. Die US-Fachinformation beschreibt es als nichtselektiven Melanocortin-Rezeptor-Agonisten mit der Potenzreihenfolge MC1R, MC4R, MC3R, MC5R, MC2R, und hält fest, dass in therapeutischer Dosis die Bindung an MC1R und MC4R am relevantesten ist. MC1R ist genau der Rezeptor, der die Pigmentierung antreibt, und er steht in dieser Reihe an erster Stelle. Zugelassen ist Bremelanotid seit dem 21. Juni 2019 für eine eng umrissene Indikation, die erworbene, generalisierte hypoaktive Sexualstörung bei prämenopausalen Frauen. Wir führen dieses Peptid als PT-141 im Forschungssortiment.
Zyklisches Heptapeptid (Bremelanotide), das als Melanocortin-Rezeptor-Agonist an MC3R und MC4R im zentralen Nervensystem wirkt. Der aktive Metabolit von Melanotan-II, untersucht für Endpunkte der Sexualfunktion über einen zentralen statt vaskulären Wirkweg.
Was Bremelanotid von Melanotan II trennt, ist also jedenfalls nicht die weggenommene Pigmentwirkung. Es ist das Verfahren: definierte Indikation, definierte Dosis, ein durchlaufenes klinisches Programm und eine Fachinformation mit eigenen Warnhinweisen. Genau das fehlt Melanotan II. Ein direkter Vergleich der Rezeptorprofile beider Substanzen lässt sich aus der Fachinformation nicht ableiten, sie beschreibt nur Bremelanotid.
Dihexa: das Papier, das alles trug, ist zurückgezogen
Dihexa ist ein oral verfügbares, hirngängiges Angiotensin-IV-Analogon, das in den 2010er Jahren als Kandidat gegen neurodegenerative Erkrankungen diskutiert wurde. Die Aufmerksamkeit stützte sich im Kern auf eine Arbeit: Benoist et al., Journal of Pharmacology and Experimental Therapeutics, 2014, die berichtete, dass die prokognitiven und synaptogenen Effekte von Angiotensin-IV-abgeleiteten Peptiden von der Aktivierung des Hepatozyten-Wachstumsfaktor/c-Met-Systems abhängen. Das war der Mechanismus, der Dihexa von einer Kuriosität zu einem Kandidaten machte.
Zu dieser Arbeit gibt es eine Retraction
Zu der Arbeit erschien 2021 zunächst ein Expression of Concern (JPET 378(3):311). Im April 2025 wurde sie zurückgezogen (Retraction Notice, JPET 392(4):103567). PubMed führt sie seitdem als "Retracted Publication". Wer heute Dihexa mit dem HGF/c-Met-Mechanismus begründet, beruft sich auf eine zurückgezogene Publikation.
Eine PubMed-Suche nach klinischen Studien am Menschen zu Dihexa liefert null Treffer. Was bleibt, ist präklinische Arbeit an Nagern und ein Übersichtsartikel zur Entwicklung von Angiotensin-IV-Analoga (Progress in Neurobiology, 2015).
Dihexa führen wir nicht und haben es nie geführt. Wer im kognitiven Bereich nach Substanzen mit wenigstens vorhandener Humanliteratur sucht, findet sie eher bei den etablierten Nootropika-Peptiden, deren Datenlage wir in Semax und Selank aufgeschrieben haben, samt der Einschränkungen, die auch dort gelten.
PEG-MGF: die dünnste Akte der fünf
PEG-MGF, pegylierter mechanischer Wachstumsfaktor, ist eine pegylierte Variante einer Spleißvariante des IGF-1. Die Pegylierung soll die Halbwertszeit verlängern.
Eine PubMed-Suche nach PEG-MGF liefert eine Handvoll Treffer, und keiner davon ist eine klinische Studie zu dieser Substanz. Was sich findet, ist Grundlagenarbeit zu pegylierten IGF-1-Konjugaten (Journal of Controlled Release, 2018) und Übersichtsarbeiten zum IGF-1-System allgemein.
Die einzige aktuelle Arbeit, die PEG-MGF überhaupt beim Namen nennt, ordnet es genau dort ein, wo es steht: eine Übersicht in Frontiers in Endocrinology vom Juni 2026 behandelt leistungssteigernde Peptide der GH-IGF-1-Achse, die "als Forschungssubstanzen vermarktet" werden, und beschreibt ausdrücklich die Lücke zwischen klinischer Evidenz und Selbstanwendung. PEG-MGF erscheint dort als Beispiel für den Fall, dass eine Substanz einen etablierten Anwenderkreis hat, ohne dass eine klinische Evidenzbasis existiert.
Warum das für ein Compounding-Verfahren besonders schwierig ist
Ein pegyliertes Protein ist analytisch aufwendig zu charakterisieren: Länge und Position der PEG-Kette bestimmen Wirkung und Immunogenität mit. Die FDA-Gutachter haben im Juli 2026 bei mehreren Substanzen genau die Charakterisierung bemängelt, teilweise schon bei der Unterscheidung zwischen freier Base und Acetat. Bei einem pegylierten Konjugat ohne veröffentlichte klinische Daten ist diese Hürde deutlich höher.
Die Bestandsaufnahme in einer Tabelle
- Beste Humanevidenz
- Phase IIb, n=148, keine signifikante Verbesserung in der Gesamtpopulation (2021); First-in-Man-Studie, n=34 (2014)
- Untersuchte Form
- topisch, offene Wunde
- Sicherheitssignal
- in den Studien gut verträglich
- Beste Humanevidenz
- eine randomisierte Untersuchung, n=13 Completer, objektiv negativ, nur Patientenfragebogen signifikant (2006)
- Untersuchte Form
- topisch, Nachbehandlung
- Sicherheitssignal
- aus dieser Studie kein Sicherheitsbefund berichtet
- Beste Humanevidenz
- Crossover-Studie, n=20, erektile Dysfunktion (2000)
- Untersuchte Form
- injiziert
- Sicherheitssignal
- umfangreiche aktuelle Fallberichtsliteratur
- Beste Humanevidenz
- keine klinische Studie am Menschen auffindbar
- Untersuchte Form
- keine
- Sicherheitssignal
- Mechanismus-Arbeit zurückgezogen
- Beste Humanevidenz
- keine klinische Studie am Menschen auffindbar
- Untersuchte Form
- keine
- Sicherheitssignal
- keine klinische Literatur auffindbar
Was das Juli-Muster prognostiziert
Jetzt die Prognose, und zwar so, dass man sie nachrechnen kann statt sie glauben zu müssen.
Der Maßstab liegt offen: Für die sieben Substanzen im Juli 2026 haben die wissenschaftlichen Gutachter der FDA in ihren Briefing-Dokumenten für alle sieben empfohlen, sie nicht aufzunehmen. Die Begründungen waren wiederkehrend: zu wenig oder keine Humandaten, Studien in anderen Darreichungsformen als den beantragten, unzureichende Charakterisierung der Substanz, Immunogenitätsfragen. Wir haben diese Dokumente gelesen und die Fundstellen in unserer Auswertung der FDA-Briefings aufgeschrieben.
Legt man denselben Maßstab an die fünf an, ergibt sich ein sehr eindeutiges Bild:
- Dihexa und PEG-MGF haben keine auffindbare klinische Studie am Menschen. Bei Dihexa kommt hinzu, dass die zentrale präklinische Arbeit zurückgezogen ist. Nach dem Juli-Maßstab ist eine ablehnende Gutachterempfehlung hier die naheliegendste Erwartung.
- GHK-Cu hat genau eine randomisierte Humanstudie, und die fiel auf jedem objektiven Endpunkt negativ aus. Ob zusätzlich noch die Darreichungsform auseinanderfällt, ist offen, weil die bewertete Form nicht öffentlich dokumentiert ist.
- LL-37 hat die formal beste Studie und ausgerechnet die blieb in der Gesamtpopulation ohne signifikanten Effekt. Für die Frage nach ausreichender Wirksamkeitsevidenz ist das kein Vorteil gegenüber gar keiner Studie, sondern ein dokumentiertes negatives Ergebnis.
- Melanotan II hat einen alten, kleinen Wirksamkeitsbeleg und ein wachsendes Risikosignal. Für eine Nutzen-Risiko-Abwägung ist das die schwierigste Ausgangslage der fünf.
Das ist die Prognose für die Gutachter. Sie ist nicht die Prognose für die Abstimmung. Und der Unterschied ist der eigentliche Punkt.
Das Emideltid-Paradox: Evidenztiefe sagt den Ausgang nicht vorher
Im Juli hat das Gremium seine eigenen Gutachter bei sechs von sieben Substanzen überstimmt. Die eine, bei der es den Gutachtern folgte und ablehnte, war Emideltid, besser bekannt als DSIP. Emideltid hatte von den sieben den tiefsten Humanrecord, mit Studien zurück bis 1981. Durchgewunken wurde dagegen unter anderem MOTS-c, zu dem die FDA-Gutachter überhaupt keine Humanstudien fanden.
Wer aus der Evidenztiefe auf das Abstimmungsverhalten schließen will, hätte im Juli also genau falsch gelegen. Deshalb sagen wir für Februar 2027 eine wahrscheinliche Gutachterhaltung voraus und ausdrücklich keine Vorhersage über den Ausgang der Abstimmung. Wer Ihnen eine solche Vorhersage anbietet, verkauft Ihnen eine Münze als Kompass.
Was das für europäische Leser praktisch bedeutet
Kurz: rechtlich nichts, informativ viel.
Das Verfahren ist ein US-Compounding-Verfahren. Es entscheidet, ob amerikanische Apotheken aus diesen Substanzen auf Rezept Präparate herstellen dürfen. Es ist keine Arzneimittelzulassung, und es berührt die europäische Einstufung nicht. Alle fünf Substanzen bleiben in der EU nicht zugelassene Forschungssubstanzen. Bei uns bleiben sie es auch: Laborgebrauch, nicht für den menschlichen Verzehr.
Der informative Wert liegt woanders. Bis Februar 2027 werden die FDA-Gutachter zu jeder dieser fünf Substanzen ein öffentliches, schriftliches, gegnerisch angelegtes Evidenzgutachten veröffentlichen. Für Dihexa und PEG-MGF wird das die erste zusammenhängende behördliche Bewertung ihrer Datenlage überhaupt sein. Das ist unabhängig vom Abstimmungsergebnis nützlich, und es hat eine längere Haltbarkeit als jede Schlagzeile über den Ausgang.
Woran sich für uns nichts ändert
Solange der regulatorische Status offen ist, bleibt die Chargen-Dokumentation der entscheidende Faktor, nicht die Schlagzeile. Zu jeder Charge, die wir führen, gibt es ein Analysenzertifikat eines Drittlabors, einsehbar auf unserer CoA-Seite. Ein Votum eines Beratungsgremiums ändert nichts daran, was in einer Durchstechflasche ist. Ein HPLC-Lauf schon.
Substanzen der Februar-Runde, die wir führen
Von Cathelicidin abgeleitetes antimikrobielles Peptid (37 Aminosäuren). Erforscht für angeborene Immunität, antimikrobielle Aktivität und Wundheilungspfade. ≥99% HPLC-Reinheit mit Janoshik CoA.
Kupfer-Tripeptid-Komplex für Hautregenerations- und Anti-Aging-Forschung. Stimuliert die Kollagensynthese, beschleunigt die Wundheilung und reduziert feine Linien. Einer der am besten erforschten Wirkstoffe in der dermatologischen Peptidforschung.
Bräunungs-Peptid, das die Melaninproduktion in der Haut aktiviert. Stimuliert Melanozyten-Rezeptoren für natürliche UV-freie Pigmentierung. Wird auch zur Appetitregulierung und Libido-Forschung eingesetzt.
Aus der Juli-Runde
Gastrisches Pentadekapeptid (15 Aminosäuren) mit außergewöhnlichen Gewebereparatur-Eigenschaften. Fördert Wundheilung, Gefäßneubildung und Zellschutz in Sehnen, Muskeln, Darm und Nerven. Über 30 Jahre präklinische Forschung.
Vollständiges 43-Aminosäuren-Thymosin Beta-4, ein natürlich vorkommendes Reparaturprotein, unabhängig per CoA bestätigt. Fördert Zellwanderung und Gefäßneubildung für systemische Gewebeheilung. Besonders erforscht für Muskel-, Sehnen- und Herzreparatur.
Entzuendungshemmendes Tripeptid aus alpha-MSH (Positionen 11-13). Hemmt NF-kB-Signalwege, unterstuetzt die Darmbarriere-Integritaet und zeigt antimikrobielle Aktivitaet. Gezielter Ansatz in der Entzuendungsforschung ohne breite Immunsuppression.
Fazit
Die fünf Substanzen der Februar-Runde haben eine gemeinsame Eigenschaft, und es ist nicht die, die man erwartet: bei keiner von ihnen stützt die Humanevidenz die Erwartung, die der Markt an sie hat. Bei LL-37 nicht, weil die große Studie in der Gesamtpopulation ohne signifikanten Effekt blieb. Bei GHK-Cu nicht, weil die einzige Humanstudie auf jedem objektiven Endpunkt negativ war. Bei Melanotan II nicht, weil die Sicherheitsakte die Wirksamkeitsakte inzwischen überwiegt. Bei Dihexa und PEG-MGF nicht, weil sich keine klinische Studie am Menschen finden lässt.
Das ist kein Argument gegen Forschung an diesen Substanzen. Es ist ein Argument dafür, die Erwartung an das anzupassen, was tatsächlich untersucht wurde. Wenn das Gremium tagt, wird die Schlagzeile lauten, wie es entschieden hat. Der nützlichere Teil sind die Gutachten, die davor veröffentlicht werden.
Quellen
- Grönberg A, Mahlapuu M, Ståhle M, Whately-Smith C, Rollman O. Treatment with LL-37 is safe and effective in enhancing healing of hard-to-heal venous leg ulcers: a randomized, placebo-controlled clinical trial. Wound Repair and Regeneration, 2014. PMID 25041740. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25041740/
- Mahlapuu M, Sidorowicz A, Mikosinski J, et al. Evaluation of LL-37 in healing of hard-to-heal venous leg ulcers: A multicentric prospective randomized placebo-controlled clinical trial. Wound Repair and Regeneration, 2021;29(6):938-950. PMID 34687253. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34687253/
- Miller TR, Wagner JD, Baack BR, Eisbach KJ. Effects of topical copper tripeptide complex on CO2 laser-resurfaced skin. Archives of Facial Plastic Surgery, 2006. PMID 16847171. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/16847171/
- Wessells H, Levine N, Hadley ME, Dorr R, Hruby V. Melanocortin receptor agonists, penile erection, and sexual motivation: human studies with Melanotan II. International Journal of Impotence Research, 2000. PMID 11035391. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/11035391/
- Peters B, et al. Melanotan II: a possible cause of renal infarction: review of the literature and case report. CEN Case Reports, 2020. PMID 31953620. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31953620/
- Yassin Alsabbagh A, et al. Melanotan II nasal spray: a possible risk factor for oral mucosal malignant melanoma? International Journal of Oral and Maxillofacial Surgery, 2025. PMID 40210573. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/40210573/
- Vadner DJ, et al. Five primary melanomas in situ in a patient with recent tanning bed use, melanotan exposure, and anabolic hormone use. JAAD Case Reports, 2026. PMID 42328529. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/42328529/
- Bonchev A, et al. Changes in Oral Mucosa Associated with Melanotan II Injections: A Case Report. Life (Basel), 2026. PMID 41752902. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/41752902/
- Benoist CC, Kawas LH, Zhu M, et al. The procognitive and synaptogenic effects of angiotensin IV-derived peptides are dependent on activation of the hepatocyte growth factor/c-Met system. Journal of Pharmacology and Experimental Therapeutics, 2014. Zurückgezogen. PMID 25187433. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25187433/
- Retraction notice zu Benoist et al. 2014. Journal of Pharmacology and Experimental Therapeutics, April 2025;392(4):103567. PMID 40312093. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/40312093/
- Wright JW, Kawas LH, Harding JW. The development of small molecule angiotensin IV analogs to treat Alzheimer's and Parkinson's diseases. Progress in Neurobiology, 2015. PMID 25455861. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25455861/
- Dominikowski A, Rękoś Z, Olejarz M, et al. The emerging landscape of performance-enhancing peptides modulating GH-IGF1 axis: bridging the gap between clinical evidence and patient self-administration. Frontiers in Endocrinology, Juni 2026;17:1822475. PMID 42395176. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/42395176/
- VYLEESI (bremelanotide injection), US-Fachinformation, Erstzulassung 2019, Abschnitt 12.1 Mechanism of Action (Potenzreihenfolge MC1R, MC4R, MC3R, MC5R, MC2R) und Indications and Usage. FDA. https://www.accessdata.fda.gov/drugsatfda_docs/label/2019/210557s000lbl.pdf (Volltext auch bei DailyMed: https://dailymed.nlm.nih.gov/dailymed/drugInfo.cfm?setid=f1d0c1b5-2f39-4bad-a6a4-0066e3ad5dcf)
- July 23-24, 2026: Meeting of the Pharmacy Compounding Advisory Committee. FDA. https://www.fda.gov/advisory-committees/advisory-committee-calendar/july-23-24-2026-meeting-pharmacy-compounding-advisory-committee-07232026
Hinweis zum Sortiment: Alle bei peptidesdirect.io angebotenen Peptide sind Forschungssubstanzen ausschließlich für den Laborgebrauch. Sie sind nicht für den menschlichen oder tierischen Verzehr bestimmt, nicht zur Diagnose, Behandlung oder Vorbeugung von Krankheiten und besitzen keine arzneimittelrechtliche Zulassung in der EU.
Forschung in Deutschland
Für Forschende in Deutschland gelten beim Bezug von Peptiden besondere regulatorische Rahmenbedingungen, die wir hier kurz einordnen.
- Zuständige Behörde
- BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte) sowie Paul-Ehrlich-Institut für biologische Produkte
- Umsatzsteuer
- 19% MwSt inklusive im Preis
- Versand innerhalb DE
- 1 bis 2 Werktage via DHL Premium aus dem EU-Lager
Forschungschemikalien fallen in Deutschland nicht unter das Arzneimittelgesetz (AMG), solange keine therapeutischen Wirkversprechen gegenüber Verbrauchern gemacht werden und der Verkauf ausschließlich für Laborzwecke erfolgt. Die Beweislast für eine korrekte Etikettierung als Forschungsprodukt liegt beim Anbieter. Wir kennzeichnen jede Charge mit unserem Farbsystem, leiten das CoA des Produzenten unverändert weiter und dokumentieren die Lieferkette transparent. Bei Fragen zum Rechtsstatus oder zur Anwendung im akademischen Kontext empfehlen wir die direkte Rücksprache mit dem zuständigen Institut für Pharmakologie oder dem rechtswissenschaftlichen Dienst der Hochschule.